Martins 25jähriges Jubiläum
Kirche ist ein Unternehmen
Rheinische Post Interview
Pastor Martin Gres aus Scherpenberg feiert 25-jähriges Dienstjubiläum. Um die Zukunft der evangelischen Kirche ist ihm nicht bange.
MOERS
Am vergangenen Sonntag feierte Pfarrer Martin Gres sein 25-jähriges Dienstjubiläum mit einem großen Gottesdienst. Seit 1983 leitet der 53-Jährige schon die Geschicke der evangelischen Kirchengemeinde Moers-Scherpenberg. Im Gespräch mit RP-Mitarbeiter Christian Schwerdtfeger blickt der beliebte Gemeindevorsteher unter anderem auf seine Anfänge vor 25 Jahren zurück.
Herr Gres, rund 200 Gemeindemitglieder feierten am Sonntag gemeinsam mit Ihnen ihr großes Jubiläum. Haben Sie mit so viel Zuspruch gerechnet?
Martin Gres: Das war einfach überwältigend, ein einmaliges Erlebnis für mich. Ich hätte nie damit gerechnet, dass so viele Menschen kommen werden. Es tut mir persönlich sehr gut, denn es zeigt mir, dass ich hier an der richtigen Stelle bin. Ich bin immer noch sprachlos und möchte mich bei allen bedanken, die am Sonntag gekommen sind.
Können Sie sich noch an Ihre Anfänge erinnern? Was hat Sie dazu bewegt, Pfarrer zu werden?
Gres: Ich muss zugeben, dass es bei mir keine Berufung war, wie es bei vielen meiner Kollegen der Fall gewesen ist. In mir ist der Gedanke, Pfarrer zu werden, langsam gereift. Während meiner ehrenamtlichen Arbeit als Jugendlicher in der Heimatgemeinde in Essen habe ich festgestellt, dass mir so etwas Freude bereitet. Ich war damals so 17 oder 18 Jahre alt. Nach dem Abitur habe ich mich dann dazu entschlossen, Theologie zu studieren.
Wie ging es danach bei Ihnen so weiter?
Gres: Die Studienzeit war toll, obwohl der Anfang etwas lästig war, nämlich Griechisch und Hebräisch zu lernen. Aber das habe ich auch irgendwie geschafft. Ich würde jederzeit noch einmal Theologie studieren um Pfarrer zu werden.
Wie kamen Sie dann nach Moers?
Gres: Nach meiner zweijährigen Zeit als Vikar in Essen habe ich mich entschieden, die Stelle hier in Moers anzutreten. Im Gegensatz zu heute konnten wir es uns damals noch aussuchen, wo wir gerne als Pfarrer arbeiten möchten. Und ich wollte gern an den linken Niederrhein.
In 25 Jahren haben Sie sicherlich viel erlebt. Was sind so Ihre persönlichen Höhepunkte in Ihrer Amtszeit?
Gres: Da gibt es viele, aber keinen, über den ich sagen würde, dass ist das absolute Highlight für mich gewesen. Besonders gerne erinnere ich mich an die Fahrten nach Auschwitz, Berlin und Rom zurück, die wir mit Gemeindemitgliedern gemacht haben. Solche gemeinschaftlichen Erlebnisse sind für mich und die Gemeinde schön.
Nicht nur die katholische Kirche, auch die evangelische Kirche hat heute mit finanziellen Problemen zu kämpfen...
Gres: Ja, das ist leider richtig. Kirchen sind nun einmal auch Wirtschaftsunternehmen, die in der heutigen Zeit auch ans finanzielle Überleben denken müssen. Aber das ist gleichzeitig auch eine Chance. Wir haben beispielsweise viele ehrenamtlichen Helfer, mit denen sehr viel möglich ist. Bei allen Problemen muss trotzdem sicher sein, dass wir als Kirche vor Ort für die Menschen da sind. Insgesamt sehe ich aber nicht so schwarz, was die Zukunft der evangelischen Kirche angeht. Wir müssen uns den künftigen Herausforderungen stellen, dann ist mir nicht bange.
(RP, 16.08.2008)
